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Tauchbericht aus Luzern

Tauchbericht aus Luzern 2015

24.9. – Anreise und Unterkunft

Tom und ich kamen am Donnerstag den 24.9. nach fünfstündiger Fahrt in Luzern am Hotel Spatz an. Die Anreise hätte durchaus eine Stunde kürzer sein können, wäre nicht der Stau im Berufsverkehr Straßburg gewesen. Nächstes Mal sollten wir unbedingt vor 17 Uhr an Straßburg vorbei kommen.

Am Hotel Spatz zentral in Luzern wurden wir ausgesprochen freundlich begrüßt und empfangen. Das Hotel ist gutbürgerlich. Das Zimmer war groß, hell, sauber und nett eingerichtet. Das Highlight ist die Küche im angeschlossen Restaurant, die zum Genießen einlädt. Hier bekommt man Spezialitäten wie Bison, Strauß und Edelfische, nicht ganz preiswert, aber absolut angemessen für das was man da geboten bekommt.
Auch richtig gut ist die Anbindung zur Altstadt. Direkt vor dem Hotel ist eine Straßenbahnhaltestelle mit Anbindung im 10 Minuten Takt. Gegenüber dem Hotel Spatz ist auch noch eine Brauerei, für den der es eher zünftig mag.

25.9. – Tauchgänge 1 & 2

Leider kam es mit der Tauchbasis Dive & Trec zu Missverständnissen in der Absprache. Obwohl ich schon im Vorfeld mit der Tauchbasis schriftlich alles abgesprochen hatte, wollte man mit uns erst 16:30 Uhr in der Tauchbasis die geplanten Tauchgänge besprechen. Das war uns entschieden zu spät, und so beschlossen wir ohne Guide den 1. Tauchgang durchzuführen.

Da ich schon 2011 in Luzern zum Tauchen war, war es auch kein Problem einen Tauchplatz zu finden. Und so machten wir uns um 11:00 Uhr zum 1. Tauchgang am Aachereg Loppa auf die Tauchsocken.

Der Tauchplatz bietet gute Parkmöglichkeiten unter einer Brücke. Gut auch ein von mehreren Tauchbasen aufgestelltes Dixi Klo. Der Einstieg dort ist eine Art Felsentreppe, die nicht ganz ungefährlich ist, da die Steine etwas glatt und steil sind. Hier sollte man jeden Schritt genau überlegen. Der Ausstieg an gleicher Stelle geht hingegen deutlich einfacher. Nach dem Abtauchen geht es sofort steil abwärts. Tolle Steilwände, riesige Steinformationen sind die Kulisse in dunklem Wasser trotz sonnigem Tag. Eine Lampe ist an diesem Tauchplatz ein Muss! Das Wasser hat 17 Grad bei 21 Grad Außentemperatur, die Sprungschicht war bei 15m, von da an wurde es bei 8 Grad sehr frisch. Wir tauchten bis in 37m Tiefe. Als ich von dort meinen Lampenstrahl in die Tiefe richtete war da noch lange, kein Grund in Sicht, der Strahl verlor sich im tiefen Schwarz des See. Wir beendeten den Tauchgang nach 35 Minuten nicht ganz freiwillig. Denn in 33 m Tiefe hörte ich ein Strömungsgeräusch und konnte einen deutlichen Druckabfall auf dem Finimeter und dem Tauchcomputer erkennen. Gerade mal 8 Min. getaucht und nur noch 100 bar in der 12 L. Flasche. Ich zeigte Tom das Problem an und wir tauchten sofort auf 25 Meter kontrolliert und langsam auf. Da nirgendwo Abströmungen weder von meiner ersten noch von der zweiten Stufe oder dem Jackett zu sehen waren, musste kein Notaufstieg eingeleitet werden. Wir wussten einfach gemeinsam ausreichend Luft zur Verfügung zu haben. Auf 22 m dann hörte das Strömungsgeräusch von einer auf die andere Sekunde auf. Beim Aufstieg den Tauchcomputer immer im Blick, war auch kein Luftverlust mehr zu beobachten. Wir beschlossen langsam auf 13 Meter aufzusteigen und dort den Tauchgang fortzusetzen. Am Ende blieb noch genug Zeit und Luft den erforderlichen Deko Stopp auf 5 Meter für 5 Minuten durchzuführen.
Was immer das Strömungsgeräusch war ist uns bis heute noch unklar. Wichtig war Ruhe zu bewahren, sich ganz klar der gemeinsamen Konditionen in der Tiefe bewusst zu sein und damit keinen Grund zur Panik zu haben. Ich wusste auf Tom ist unter Wasser Verlass, ich konnte angstfrei in der Situation auf 33m geordnet denken und handeln. Nicht zuletzt durch die zahlreichen gemeinsamen Tauchgänge über viele Jahre hinweg konnten wir uns auch in Zeichensprache eindeutig verstehen und aufeinander Vertrauen.
Nach dem Aufstieg packten wir alles ein und sind zu einer nahe gelegenen Alm hochgefahren und genossen neben dem malerischen Ausblick auf den Vierwaldstätter See unser mitgebrachtes Pausenbrot. Anschließend fuhren wir zurück ins Hotel und legten uns noch bis zur Zusammenkunft mit Stefano, unser Guide, für eine Stunde ins Bett zum Ruhen.

Die Tauchbasis liegt mitten in Luzern, hier ist die Parkmöglichkeit etwas schlecht. Wir trafen uns mit Stefano und fuhren zum nächsten Tauchplatz Riets Ort. Vom Stadtzentrum muss hier ca. 40 Min um den See gefahren werden. Auch an diesem Tauchplatz fanden wir wieder beste Bedingungen zum Parken, und ausrüsten. Alles sehr sauber gepflegt.
Der 2. Tauchgang wurde zum Nachttauchgang, und dauerte fast eine Stunde. Die maximale Tiefe war ganz kurz 25 m, die meiste Zeit verbrachten wir aber in einer Tiefe von 8-12m in mitten von vielen Fischschwärmen, meist Zackenbarsche in Formationen stehend. Aber auch kleine Hechte konnten entdeckt werden. In der Tiefe wieder tolle Felsen und Steilwände , im Bereich 8-12m viel Seegras und Vegetation. Da ich den Lungenautomat komplett gewechselt hatte konnten wir den Nachttauchgang sehr entspannt genießen.

Sa. 26.9. – Tauchgänge 3&4

Wieder fuhren wir raus zum Tauchplatz Riets Ort, diesmal nahmen wir aber 100m oberhalb einen weiteren Einstieg am Tauchplatz und tauchten eine ganze andere Route als am Abend zuvor. Diese Route führte uns neben den Steilwänden auch nach kurzem Transfer durchs Freiwasser direkt über ein Unterwassergebirge. Wir schwebten über Felsspitzen und tief einsehbaren Schluchten und Felsspalten.

Der faszinierendste Punkt war einem etwa 5 Meter hohen Felsbrocken gelegen an der Kante einer Felsplatte mit Blick auf 28m Tiefe. So entstand der Eindruck, der Brocken könne jede Sekunde runter in die Tiefe rollen. Wir tauchten in maximaler Tiefe von 34m über eine Gesamttauchzeit von 43 Minuten.
Auf ca. 18m gab es noch einen naturgroß aufgehangenen Delphin zusehen. Auch bei diesem Tauchgang gab es im Bereich 5-8 Meter zahlreiche Fische.

Nach einstündiger Pause, fuhren wir weiter zum fünf Minuten entfernten Tauchplatz. Unterwielen. Hier fanden wir neben dem gewohnt guten Außenbedingungen das schönste Seepanorama. Seht euch die Bilder an, das kann ich in Worten kaum beschreiben.
Der Einstieg war hier über Betontreppen in ein Kiesbett. Im Wasser angekommen konnte man knietief stehend gut die Flossen anziehen. Zum Abtauchen mussten wir etwas vom Ufer in den See über Seegras schwimmen (40 – 50m) erst von da an ging es wie in den Tauchgängen zuvor steil abwärts in die Tiefe. Die Felsformationen waren hier durch den hohen Kalkanteil sehr hell. Wir tauchten über und zweitweise zwischen weißen Felsblöcken. maximale Tiefe diesmal 35m bei 42 Minuten Tauchzeit.

Im Anschluss setzen wir uns wie schon den Tag zuvor zum Picknick in unsere Campingstühle mit Ausblick auf den See.
Am Abend fuhren wir mit der Straßenbahn in die Altstadt von Luzern und erkundeten dort die Möglichkeiten der Gastronomie. Wir entschieden uns für einen Tailänder, der für Schweizer Verhältnisse preiswert war. Zum Abschluss kehrten wir noch in einem Pub ein und tranken zwei Bierchen für je 8€.

So.27.9. – Tauchgang 5

Das Wetter hatte sich zugezogen .Es war nicht mehr sonnig bei 21 Grad sondern windig bewölkt bei 13 Grad. Nach drei Tagen mit vier Tieftauchgängen immer deutlich tiefer als 30m schälten wir uns selbst nach 8 Stunden Schlaf noch etwas müde aus dem Bett. Nach dem Frühstück mit herausragend gutem Kaffee, machten wir uns auf, wieder zum Tauchplatz Aachereg Loppa. Dort waren wir mit Stefano um 10:30 Uhr verabredet. Diesmal mussten wir zum Einstieg etwa 3 Meter von der Brüstung der Brücke in den See springen. Der Einstieg lag etwa 150m oberhalb von dem Einstieg des allerersten Tauchgangs. Aber hier ging es sofort an den Steilwänden scheinbar unbegrenzt in die Tiefe, unter uns schwarzer Abgrund. Es war wenig Sedimentbewegung und so hatten wir bis zu 15 Meter gute Sicht. Dieser letzte Tauchgang wurde mit knapp 38 m zum tiefsten Tauchgang. Bei dieser Route waren auf 16m zwei Tauchglocken mit Luftblase zum Schauen und zwischenauftauchen angebracht. Am Aachaeg Loppa Tauchplatz gibt es kaum Fische zu sehen, dafür aber wie beschrieben tolle Steilwände.

Fazit

Es waren schöne Tage in Luzern. Die Bedingungen für den Tauchsport sind absolut perfekt. Auch für mitreisende Nichttaucher hat die Stadt Luzern am Vierwaldstätter See viel zu bieten. Die Schweizer sind sehr herzlich, gemütlich und hilfsbereit. Beide hatten wir den Eindruck dass in der Schweiz die Weltensorgen offensichtlich ausgeschlossen sind. Das bemerkt man schon daran, dass samstags die Stadt trotz tausender konsumbereiter Touristen, um 16:00 Uhr alle Geschäfte schließen. Das reicht den Schweizern eben, alles andere wäre zu hektisch und zu schnell. Wir haben genau diese Entschleunigung für uns sehr positiv aufgenommen, waren wir ja auch zum Tauchen in Luzern und nicht zum Einkaufen.
Einzig die wirklich sehr teuren Preise in allen Bereichen lassen Luzern mit dem Vierwaldstättersee für uns nicht zum Tauchgebiet für jede Woche werden. Was die Tauchplätze in Vielfalt, Auswahl und Qualität angeht, so bekommt man hier die absolute Spitzenklasse!!!

Tolles, klares sauberes Wasser mit -für einen von 4 Gebirgsflüssen gespeisten See- sehr angenehmer Wassertemperatur. Ein Trocki ist auch Ende September bei Tieftauchgängen nicht zwingend erforderlich.

Was die Tauchprofile angeht, so muss ganz klar gesagt werden, der Vierwaldstätter See ist mit den von uns betauchten Plätzen nichts für Anfänger. Wer hier taucht sollte ausreichend Erfahrung mit Tieftauchgängen in Temperaturen von 5-8 Grad haben. Die tollsten „Sehenswürdigkeiten“ sind eben erst ab 20 m abwärts zu sehen. Die Einstiege sind mitunter etwas kniffelig aber prinzipiell gut zugänglich.

Wir sind uns einig:

Das war ein Wahnsinns Taucherlebnis am Vierwaldstättersee, Luzern wir kommen wieder!

Thomas Werding mit Tom Lorgé

  • Luzern - Aachereg Loppa
    Luzern - Aachereg Loppa

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